A Quest for the Amber Pope

Königin Enoras Rekorder

27.11.2015

Aufbruch am nächsten Morgen nach dem Frühstück in Richtung Four Marks. Rechts und links erstreckt sich weit und breit nur Grasland Nach einigen Hügeln ist Qi hinter uns verschwunden und der Verkehr nimmt gegen Mittag merklich ab. Ich weiß nicht, wie es den anderen geht, aber ich bin fast froh, wieder einmal aus den Schatten rauszukommen und frische Luft zu schnuppern. Allerdings grübele ich noch immer, wieso Salan – oder wer auch immer aus der Familie – auf die Idee gekommen ist, mich mit einer Truppe völlig Unbekannter wegzuschicken. Meine neuen „Gefährten“ machen den Anschein, als ob sie nicht mehr als Kids sind, die von der Welt noch nicht viel gesehen haben. Sie scheint ihre neue Situation allerdings nicht so zu belasten. Ob denen klar ist, mit wem sie sich eingelassen haben? Naja, andererseits ist das ja nicht meine Sorge!

Immerhin sind alle recht umgänglich und ich hoffe, die Gruppe kann gut zusammenarbeiten: Lucille scheint tough zu sein, aber noch jung, so Anfang zwanzig. Eric hat eine eigentümliche Art und macht mit seinem Klimperkram einen etwas wunderlichen Eindruck, ist aber bisher sehr höflich und freundlich. Nicht so wie Who, der auf mich furchtbar überkandidelt wirkt. Bleibt noch die Kleine. Abigail. Sie ist ebenfalls noch recht jung, munter, von kleiner Statur, hat lebhafte grün-gelbe Augen, lächelt viel …

Trotz des relativ späten Aufbruchs kommen wir bei gutem Wetter schnell voran. Nach etwa fünf, sechs Stunden Marsch über die Straße beschließe ich, eine Rast auf einem der wenigen Rastplätze einzulegen, in unserem Fall eine Bucht, die durch diese alten Quadersteine mit den technischen Quarzadern eingefasst wird. Who interessiert sich sofort dafür und sieht sie sich mit Eric zusammen näher an. Stimmt – er erwähnte seine Affinität zu Technik und Maschinen. Ebenso wie seine Neugier! Als er einen der Steine antatscht, gibt es eine elektrische Entladung, die auf Eric überspringt – mit dem Ergebnis, dass dessen Cyberarm einen Schlag bekommt und nutzlos an ihm herunterhängt … Keine Ahnung, ob Who mich überhaupt zur Kenntnis genommen hat, als ich noch gerufen habe, ja nichts anzurühren.

Unsere Pause wird etwas länger, während Eric vergebens versucht, seinen Arm zu reparieren. Am Ende bleibt sogar eine Schraube übrig. Nach etwa anderthalb Stunden machen wir uns wieder auf den Weg und laufen bis in die Dämmerung hinein, bis uns gegen Abend ein seltsames Gefährt entgegen kommt: eine Art schwebendes Wohnhaus, das von einem Zugtier gezogen wird. Der Kutscher stellt sich und seinen Laden als Veridons Kabinett der Absurditäten vor. Da wir sowieso schlecht ausweichen können und es Zeit für das Abendlager wird, nehmen wir die Einladung in den Laden ein und stöbern ein bisschen herum. Während Who das nächste Relikt für sich entdeckt, verguckt sich Abby in Veridons Begleiter: eine sprechende Fellechse mit eingeschränktem Wortschatz („Kundschaft!“/„Gratis!“) namens Xerxes.

Ein Mann namens B.O.L.G.

Was wir alle erst einmal für eine Art Kunstwerk, ein Relief in Menschengestalt, halten, entpuppt sich nach Whos neuerlichem Vorstoß als eine Vorrichtung für eine Art Karbonit-Stasis. Who löst den Auftau-Mechanismus aus und der bisher eingefrorene Mann fällt vor uns auf den Boden. Während Eric und Lucille den erzürnten und auf Kompensation beharrenden Veridon beschwichtigen, kümmert sich Abby um den sichtlich mitgenommenen Mann, von dem wir angesichts der metallischen Auswüchse auf seinem Körper nicht sicher sagen können, ob er nicht doch eher eine Art Roboter oder Cyborg ist.

Im Laufe des Abends und des nächsten Tages stellt sich in den Gesprächen mit dem sichtlich Desorientierten, der sich schließlich (nach einer Tätowierung auf seinem Arm) selbst den Namen B.O.L.G. gibt, stellt sich jedoch heraus, dass er wohl eine Art technisch verbesserter Klon ist, der zur Verteidigung seiner Heimat Terra Nova vor einer Felben genannten Rasse militärisch ausgebildet, eingefroren und offenbar vergessen wurde. Bolg hat nur sehr rudimentäre Erinnerungen an seine Vergangenheit und hat erst einmal keine andere Orientierung als sein Missionsziel – die Verteidigung von Terra Nova und die Sicherstellung einer besseren Zukunft. Uns ist – ebenso wenig wie ihm – nicht klar, aus welchem Zeitalter und welchem Teil der Neunten Welt er stammt. Ein Kartenfragment, das er bei sich trägt, zeigt uns jedoch einen Abschnitt der Uhr von Kala – so viel scheint uns sicher. Auch muss seine Zeit schon länger zurück liegen, denn er spricht eine sehr altertümliche Version der gemeinen Sprache, die wir gerade noch so verstehen. Who kann sich interessanter Weise besser mit ihm verständigen, aber der scheint ja auch sehr gelehrt zu sein.

Veridon, dem wohl doch nicht ganz geheuer ist, anstelle eines Kunstwerks einen lebenden Menschen gekauft und zum Verkauf angeboten zu haben und sich die „Sklavereivorwürfe“ noch einmal durch den Kopf gehen lässt, besteht schließlich darauf, dass wir Bolg mitnehmen – „sonst vergrault er nur die Kundschaft“. Bolg schließt sich uns also an – er wüsste sowieso nicht, wohin er sich wenden sollte und wir können ihn schlecht sich selbst überlassen, zumal sich Abby fürsorglich um ihn kümmert.

Takes one to know one

Wie um sich an uns für das entgangene Geschäft zu rächen, knöpft uns Veridon für ein Bett für die Nacht sowie eine Mahlzeit ziemliche Wucherpreise ab, zumal wir bei dem draußen hereinbrechenden Unwetter keine Lust mehr haben, uns mit Sturzregen, Blitz und Donner abzugeben – erst recht nicht mit Zelten, in die der Blitz einschlägt. Abby vermutet zwar eine Scharlatanerie, doch ich lege mich mit solchen Typen lieber nicht an. Ich hab‘ schon zu viel gesehen und möchte mich nicht darauf verlassen, dass das Gewitter vor Veridons Ladentür nur eine Illusion ist.

Der nächste Morgen, an dem wir bei trockenem, sonnigem Wetter mitten auf der staubigen Straße aufwachen zeigt allerdings, dass alles nur Lug und Trug war, einschließlich des Essens, wenn man Whos, Erics und Bolgs Magenschmerzen glauben darf. Auch das abgefackelte Zelt ist unbeschädigt. – Hatte Abby wohl doch Recht …

Ankunft bei den Four Marks

Zu sechst setzen wir unseren Weg fort und lernen bis zum Abend Bolg näher kennen. Er wirkt wie ein guter Kerl und er tut mir fast leid. Es muss heftig sein, in einer völlig fremden Welt aufzuwachen. Er erkundigt sich wiederholt, ob Frieden herrscht und ob die Felben besiegt sind. Dabei hat er einen gewissen Hang, alles sprichwörtlich zu nehmen. Beispiel gefällig?

Bolg: „Kann ich noch einen Apfel bekommen?“
Abby: „Klar. Hier, bitte.“
Bolg: „Wo kommen die her?“
Abby: „Mein Vater ist Bauer …“
Bolg: „Was baut er?“

In den Gesprächen erwähnt Abby irgendwann einmal, dass sie Geschwister hatte. Als ich nachhake und frage, was passiert sei, schaut sie zum ersten Mal traurig drein und meint, dass sie darüber nicht sprechen möchte. Also lasse ich das Thema fallen – jeder hat schließlich sein Bündel zu tragen.

Abends lagern wir etwa zwei Stunden entfernt von unserem Ziel: dem Bauwerk, das aussieht wie ein riesiger Hammer. Wir wissen noch nicht genau, was uns erwartet, aber wir entscheiden uns, vorsichtig zu sein und teilen Wachen ein. Schon von hier können wir das Grollen der Brandung an der Felsküste hören.

Ein Murde in der Dunkelheit

Okay, irgendwann holt sich Who eine Abreibung ab! – Während seiner Wache beschließt er, ein Feuer zu entfachen und sich ein paar Marshmallows zu braten – wo auch immer er die hergenommen hat. Keine Ahnung, ob ihm klar ist, dass er damit auf ebenem, wenig bewachsenen Gelände so etwas wie ein Leuchtsignal für die vermutete Räuberbande in dem Hammer abfackelt. Vermutlich nicht.

Immerhin weckt mich Lucy – sie fühlt sich aus einem Busch heraus beobachtet. Als ich meinen Bogen nehme und auf den Strauch ziele, rennt eine Gestalt davon.

Unsere Gruppe überrascht mich zum ersten Mal: Die anderen nehmen sehr fix die Verfolgung auf und Eric wirft der Gestalt treffsicher eine Cypher, die sich als Netzgranate entpuppt, hinterher, in der sich das Wesen verfängt. Unglücklicherweise stellt sich bei näherer Betrachtung heraus, dass es sich um einen Murden handelt. – Sogar Bolg kennt diese Pest noch aus seiner Zeit. Sie nannten sie damals Raven Men.

Who und Abby sind ihm am nächsten und fallen ziemlich schnell in seinen Bann, während ich mich hüte, in seine Nähe zu kommen. Diesen Scheiß muss ich mir definitiv nicht geben! Ich habe zuviele unschöne Erinnerungen. Glücklicherweise bin ich mit meinem Bogen ja aber auch nicht darauf angewiesen, mich dem Drecksvieh zu nähern!

Als sich Abby umdreht und mich mit einem unsteten Flackern in den Augen ansieht, töten Bolg und ich das Ding. Zur Sicherheit lege ich einen Pfeil auf Abby an, doch die Vorsicht ist unbegründet. Mit dem letzten Atemzug des Murden fällt auch der Bann von ihr und sie lächelt wieder ganz normal. – Glück gehabt!

Der Angriff auf das Murden-Nest

In der Morgenkühle des nächsten Tages brechen wir in Richtung des Hammers auf. Abby hat die Parasiten-verseuchte Robe des Murden an sich genommen, Lucy sein Kurzschwert. Eric, der offenbar Teleportation beherrscht, scoutet vor und kann zwei Murden im Toreingang des Hammers an zwei Kochfeuern beobachten.

Abby unterbreitet ihren Plan, sich als Murde verkleidet den beiden zu nähern und abzulenken, während wir uns anschleichen. Das Ganze geht im Schatten einer Buschreihe so lange gut, bis Who laut niesen muss und der Überraschungseffekt vorbei ist. In dem darauffolgenden Kampf wird Lucy durch eines der giftgetränkten Murdenschwerter vergiftet und Eric bringt mit einer Sonic-Granate beinahe den Turm zum Einsturz.

Nachdem Who – wie ich anerkennend feststelle – fast todesmutig das Gift aus Lucilles Wunde saugt und wir sie versorgt haben, trauen wir uns in den Turm. Als erstes entdecken wir die Überreste eines recht ekligen Mittagessens – vermutlich die Reste der überfallenen Karawane. Kein Wunder, dass man so dahergelaufene Tagelöhner wie uns auf diese Mission geschickt hat! Räuberbande –meine Fresse, was für eine Untertreibung. Zugegeben: Die „Kids“ haben sich bewährt. Das Zusammenspiel funktioniert erstaunlich gut, und zwar glücklicherweise ohne irgendein größeres Zutun meinerseits. Umso besser – ich war noch nie Anführermaterial!

Voller Erfolg

Kurz nach dem Selbstbedienungsbuffet entdecken wir auf einem Treppenabsatz in einer der höheren Etagen den offensichtlichen Anführer der Bande – einen zitternden Murden-Häuptling auf seinem Nest von gehorteten Schätzen. Er rückt ohne größere Gegenwehr den Rekorder heraus und erzählt uns obendrein, wer ihn beauftragt hat, die Karawane zu überfallen: Er hat seine Anweisungen vom „Spinnenritter“ erhalten. Dieser wohne in einem Turm in der Nähe von Qi und sei „gemein und böse“. Er habe ein Spinnengesicht, Hände wie Spinnen und so weiter und so fort.

Das werden ja schöne Neuigkeiten für Orudas sein. Ich schätze, Königin Enora von Bennarock hat noch ein ganz anderes Problem als ein paar Ursupatoren auf irgendeiner Insel, die sie nicht anerkennen wollen …

Wir lassen den Murden-Häuptling laufen. Er verdrückt sich, gibt uns allerdings noch einen Hinweis auf seine Schätze – einige Cypher, die er hinter seinem Thron versteckt hat. Aber die Gier ist bekannter Weise immer größer: Bolg und Eric wagen sich auf einen der Treppenabsätze mit Zugang zu dem Kopf des „Hammers“ vor und versuchen, eine Tür zu öffnen. Während wir anderen uns aus dem Staub machen, schaffen sie es tatsächlich, das durch die Sonic-Granate arg beschädigte Gebäude zum Einsturz zu bringen.
Als wir sie aus dem Schutt bergen können, der etwa 40 Meter über der Klippe zum Stillstand gekommen ist, ist es ein reines Wunder, dass sie unbeschadet sind und Eric den Rekorder retten konnte – das Gerät baumelt ausgerechnet an seinem maroden mechanischen Arm!

Ohne weitere Blicke zurück machen wir uns auf den Rückweg nach Qi, das wir etwa 2 ½ Tage später ohne weitere Vorfälle wieder erreichen. Die anderen haben einen recht guten Schnitt bei der Aktion gemacht. Ein paar Shins von den Murden, ein paar neue Cypher. Ich bin froh, wenn ich nach dieser Angelegenheit meine Ruhe wiederhabe, auch wenn ich befürchte, dass diese Hoffnung enttäuscht wird. Salan – oder wer auch immer aus der Familie – hat ja leider ein Wörtchen dabei mitzureden.

Ich bin gespannt, wie es für die Kids bzw. „uns“ weitergeht.

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MiouQueuing

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